Zervikalsyndrom

Unter Zervikalsyndrom werden verschiedenste Beschwerden zusammengefasst, welche in der Halswirbelsäule lokalisiert werden. Von Zervikobrachialgie spricht man wenn die Schmerzen in die Arme ausstrahlen. Nackensteifigkeit, in die Schultern ausstrahlende Schmerzen, Kribbeln in den Armen, Kopfschmerzen und Schmerzen bei Kopfbewegungen sind die gängigsten Beschwerden. Als Ursache finden sich häufig Verspannungen durch unphysiologische Haltung, körperlicher oder psychischer Belastung. Der schmerzhaft erhöhte Muskeltonus führt zur Schonhaltung.

In jüngster Zeit werden auch langdauernde Fehlbelastungen durch Gaming und den Gebrauch sozialer Netzwerke am Handy im Stehen als Ursache angeschuldigt. Bei der klinischen Untersuchung sind radikuläre Symptome und Instabilitäten auszuschließen. Nach der Inspektion der Haltung, wird die Halswirbelsäule auf Druckdolenz und muskuläre Verspannungen untersucht. Rüttel- und Erschütterungsschmerz sind Hinweise auf eine mögliche strukturelle Läsion. Vervollständigt wird die Untersuchung durch eine Beweglichkeitsprüfung und Neurologische Untersuchung.

Spezifische Ursachen von Nackenschmerzen wie neoplastische, entzündliche, vaskuläre Erkrankungen und Trauma müssen differentialdiagnostisch in Betracht gezogen werden, sind aber selten. Bei entsprechenden anamnestischen oder klinischen Hinweisen und ausbleibender Besserung ist eine  weiterführende Diagnostik zu veranlassen. Bei nicht traumatischen Nackenschmerzen ist auf eine Röntgenuntersuchung zu verzichten, wenn Hinweise auf abwendbar gefährliche Verläufe zuvor ausgeschlossen wurden. Die Behandlung beginnt mit Entspannung der Muskulatur, Heilgymnastik, verhaltensmodifizierenden Maßnahmen und Schmerzmitteln.

Bei akuten Nackenschmerzen bis 3 Wochen wird eine Analgetikatherapie mit Paracetamol und/oder NSAR – ev. in Kombination mit Tizanidin empfohlen. Die medikamentöse Therapie bei Nackenschmerzen ist nur symptomatisch und unterstützt die Patienten die gewohnten Alltagsaktivitäten wieder aufzunehmen. Im Beratungsgespräch wird auf den zumeist selbstlimitierenden Charakter von Nackenschmerzen und den prognostisch günstigen Effekt von sportlicher Betätigung hingewiesen. Bei subakuten und chronischen Nackenschmerzen ist Heilgymnastik (auch manual-medizinische Behandlung und postisometrische Relaxation) und bei chronischen Nackenschmerzen zusätzlich Muskelkräftigung empfehlenswert.

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